|
Allerheiligen Nacht
es regnet junge Katzen und Hunde
wirre weiß-blaue Lichter flackern Tagesgleich
in gold-überschwemmten nassen Straßen
und die Toten ziehen stumm und bleich umher
reißen Hüte von den Köpfen schauen durch Fenster
und an der Ecke die alte Prophetin mit weißem Haar
in den welken Händen das schwarze Buch umklammernd
ihre Zunge ein zweischneidiges Feuerschwert
sie fängt mit einem Kelch die Tränen der Heiligen auf
wissend um die verborgenen Geheimnisse
und sie singt das Magnificat während
am nichtvorhandenen Himmel die Sonne erupiert
aus der Ewigkeit flüchten die Heiligen in den Schlaf
der Corpus Christi vergessen: offen steht ein leeres Grab
vorbei ziehen Myriaden von Lebenskaravanen
und im Stundenhotel zwei Häuser weiter
leuchten die Stunden dunkelrot:
entblößte Beine nackte Haut erigiertes Glied
ein verzehrtes Gesicht ein Stöhnen ---
Knochen klappern im Wind
und von Untertage klingt das Spiel eines Handharmoniums
La vie en rosé:
eine mitternachtsblaue Gestalt hält eine silberne Schale
in den Händen - eine Fratze lacht
dann tanzen sie ums goldene Kalb: dreh dich nicht um!
und das Haupt dieses Bildes war aus feinem Gold und die Arme
aus Silber:
das sah man bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen und alles wurde zermalmt wie Spreu im Sommer und der Wind trug es in alle Richtungen so das nichts mehr zu finden war
und am Rand der Zeit wirft
ein Medizinmann heiliges Bein: das Orakel verkündet ---
nebelig scheint der Mond: SEin ohne Zeit ohne Sein
--- das Herz schläft und ist doch wach
der Zauber hält nur eine Nacht ( )
und die Alte schaut zum Himmel
ihr Mund eine erloschene Feuersäule
die Pforten des Paradieses werden geöffnet
es ward ein Geist ausgeschüttet über sie
aus ihren Händen rieselt Staub der Kelch leer
und der hatte viele Kräfte und wirkte über allem
so ward das Gesetz erfüllt
ihre Zunge löste sich
und fuhr
gen Himmel auf
|